Ich bin seit 14 Tagen am Lago Atitlan und vor einer Woche fing die Regenzeit an. Es schüttet! Der erste Regen im Jahr ist immer etwas Besonderes. Er wurde lange herbeigesehnt, endlich wird alles wieder grün.
Heute Morgen gab es mal wieder ein kleines Erdbeben, das letzte hatte ich vor 6 Wochen in Mexiko. Ist immer ein bisschen beunruhigend, da man es ja nicht gewohnt ist und der Adrenalinspiegel steigt dabei erheblich an. Geil!
Der Lago Atitlan ist ein Vulkansee, er entstand im Krater eines sehr großen Vulkans. Da der See keinen natürlichen Ablauf hat, wurde er im Laufe der Jahre immer tiefer. Allerdings sagen Einheimische, in den letzten 10 Jahren sei der Wasserspiegel um rund 20 Meter gefallen. Der See liegt auf ca. 1500 Metern Höhe. Er ist 26 km lang, 18 km breit und ca. 380 m tief. Die Bewohner in den verschiedenen Dörfern an seinen Ufern leben hauptsächlich vom Tourismus. Mir wurde San Pedro empfohlen. Die kleine Stadt hat 13.000 Einwohner und die Hauptsprache hier ist nicht Spanisch, sondern Tzutujil, ein Mayadialekt – klingt toll, aber verstehen kann ich da gar nix! Die Stadt besteht aus holperigen Straßen, die von Tuktuks und Motorrädern befahren werden und kleinen engen Gassen, die Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sind und wo ich viele Tags gefunden habe, die ich auch schon in Guate gesehen hatte. Die Frauen tragen fast alle Tracht und die älteren Männer auch.
Ich sitze hier bei offener Tür in meinem Zimmer im Sak’cari, einem netten Hotel direkt am See mit fantastischer Aussicht www.hotelsakcari.com und höre dem Prasseln des Regens zu. Die Nacht kostet 14 Euro, das ist gehobene Preisklasse hier. Es gibt ohne Probleme Zimmer für 3 Euro die Nacht. Ich habe hier aber einen schnellen Internetzugang, Sauna, einen wunderschönen Garten, und wie gesagt super Aussicht auf den See. Man kann hier viel unternehmen, Reiten, Schwimmen, Kanu Fahren, den Vulkan erklimmen, Thermalbäder nutzen – ich habe allerdings nix gemacht! Ich hatte vor 4 Wochen einen kleinen Unfall in Mexico – habe im Dunkeln eine kleine Mauer übersehen und mir die Beine aufgeschürft – nix schlimmes passiert Mama, alles schon wieder gut. Allerdings hatte ich vergessen, was ich früher immer gepredigt hatte: Wunden in den Tropen immer ernst nehmen – das viel mir leider erst wieder ein, als sie sich entzündet hatten. Dann musste ich sie mir in Guatemala City ausschaben lassen – AUA!!! – und zu allem Überfluss erwiesen sich die Bakterien resistent gegen die verordneten Antibiotika. Das Ganze zog sich dann also über 4 Wochen hin, jetzt ist aber alles abgeheilt und ich kann in ein paar Tagen weiterziehen in Richtung der Pyramiden in Tikal. Also: Immer schön die Wunden säubern, das erspart Zeit und Ärger!
Ich habe hier also nur rumgelungert, gelesen, gegessen und auf den See gestarrt. Habe bestimmt 3 Kilo zugenommen! :)
Der See wechselt seine Farbe alle paar Stunden und von sonnig über wolkig und Nebelverhangen, bis Gewitter mit Blitz und Donner, von stahlblau bis orangerot ist alles drin. Das Licht ist einfach fantastisch und besonders ganz früh morgens und am frühen Abend ist die Stimmung surreal. Seit der Regenzeit quaken am Abend die Frösche und die Bäume sind voller Glühwürmchen. Herrlich!
Bei aller Schwärmerei ist jedoch nicht zu übersehen, dass der See langsam verdreckt. Vom Baden wurde mir abgeraten, vor allem mit den Wunden im Bein. Vielerorts fließt das Abwasser ungeklärt in den See und in der Regenzeit spülen die Regenfälle den wild verbuddelten Abfall in den See, dementsprechend sehen die Ufer aus und der Lago Atitlan wurde zum bedrohten See 2009 erklärt:
http://www.fair-news.de/news/Atitl+n-See+in+Guatemala+ist/13410.html
An Restaurants möchte ich vor allem La Puerta und Ventana Blue empfehlen. La Puerta liegt am Ufer und Ventana Blue neben dem Internet Café. Das Gesamtkonzept stimmt einfach, lecker Essen, super Service, schönes Ambiente, dezente Musik und sogar schickes Geschirr und Besteck. Unbedingt probieren: Cocktail Diosa Verde – die Grüne Göttin : Limone, Minze, Ingwer und Vodka – Unglaublich lecker!
Zwischendrin war ich mal kurz in San Marcos, einem der anderen Orte hier am See, auch sehr empfehlenswert, ist wie ein Dorf im Dschungel, unbedingt mal auschecken! Als ich dort war, gab es gerade einen Jahrmarkt, da irgendeine kirchliche Festwoche anstand. Die haben hier in der Gegend die Angewohnheit unheimlich viel mit ihren allseits beliebten Mörsergranaten rumzuballern, besonders an kirchlichen Feiertagen. Heute war z. B. Dia de la Cruz, da wird dann morgens um 6 damit angefangen tierisch laut zu böllern. Hier in San Pedro geht’s ja noch, da sind die Kanonen einigermaßen weit weg. Als ich in San Marco war, wo es eine unheimlich laute gibt, bin ich bei jedem Schuss zusammengezuckt und das war an einem Tag, wo permanent geschossen wurde.
Am Donnerstag oder Sonntag fährt man von hier aus auf den Markt von Chichicastenango, 2 Stunden mit dem Mikrobus entfernt. Hier kann man jegliche Guatemaltekische Handwerkskunst erwerben. Ein Heidentrubel! Gekauft habe ich nix, denn mein Koffer ist einfach zu voll seit ich in Mexiko eine Hängematte gekauft habe, aber die ganze Zeit gegessen, die Verlockungen auf den Märkten sind unwiderstehlich!
So, nun auf ins Ventana Blue auf eine Diosa Azul!
Peace!
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